Zurück zum Blog
Geschichten

Wallbox FI-Schalter: Warum die DC-Fehlerstromerkennung Pflicht ist

Wallbox FI-Schalter: Warum die DC-Fehlerstromerkennung Pflicht ist

Beim Thema Wallbox FI-Schalter hält sich ein teurer Irrtum. Viele glauben, an einer Ladestation sei immer ein FI Typ B vorgeschrieben, und der kostet gern mal das Zehnfache eines normalen FI-Schalters. Stimmt so nicht. Die Norm lässt zwei gleichwertige Wege zu, und der günstigere steckt bei den meisten modernen Wallboxen schon drin.

1

Braucht eine Wallbox überhaupt einen eigenen FI-Schalter?

Kurz: ja. Und zwar einen pro Ladepunkt, nicht einen für den halben Verteilerkasten. Nach ladefragen.de muss für jeden Ladepunkt ein separater FI vorgesehen werden, damit ein Fehler an einem Fahrzeug nicht gleich die Nachbarsteckdose mit abschaltet. Fachleute nennen das Selektivität. Der FI-Schalter heißt in der Norm übrigens RCD, Residual Current Device, der englische Fachbegriff wird synonym verwendet.

Das ist der einfache Teil. Der spannende Teil ist die Frage, welcher Typ.

2

Warum ein Typ-A-FI allein nicht reicht

Ein FI Typ A erkennt Wechselfehlerströme und pulsierende Gleichfehlerströme. Klingt erst mal ausreichend. Das Problem sitzt im Auto.

Moderne dreiphasige On-Board-Lader können einen glatten Gleichfehlerstrom erzeugen, und zwar schon im ganz normalen Betrieb, nicht erst im Defektfall. Wie elektronik-zeit.de in seinem Wallbox-Whitepaper erklärt, magnetisiert dieser glatte Gleichanteil den Summenstromwandler im Typ-A-FI vor. Der Schalter wird dadurch unempfindlich. Er "erblindet".

Stell dir eine Waage vor, auf der schon ein unsichtbares Gewicht liegt. Kommt jetzt der echte, gefährliche Wechselfehlerstrom dazu, schlägt die Waage nicht mehr aus. Der FI löst nicht aus, obwohl er müsste. Genau das will die Norm verhindern.

3

Typ A oder B: die Norm im Klartext

Hier wird gern vereinfacht. Manche Anbieter-FAQs schreiben "Typ B ist Pflicht" und lassen es dabei. Das zuständige Normungsgremium sieht es differenzierter.

Laut der FAQ-Liste des DKE zur DIN VDE 0100-722 ist für einen Ladepunkt entweder ein FI Typ B einzusetzen, oder ein FI Typ A beziehungsweise Typ F in Kombination mit einer Gleichfehlerstrom-Überwachung nach IEC 62955, die ab 6mA DC-Fehlerstrom abschaltet. Beide Wege sind gleichwertig zugelassen. Der zweite Weg zählt genauso viel wie der erste, das steht ausdrücklich so in der Norm. Auch der Elektropraktiker bestätigt genau diese 6mA-Schwelle als den Punkt, ab dem die Schutzeinrichtung intern abschalten muss.

Warum das für deinen Geldbeutel zählt, zeigt der Preisunterschied:

Schutzkonzept Was es abdeckt Materialkosten (Richtwert)
FI Typ B (separat) alle Fehlerstromarten, auch glatter DC ca. 250 bis 500 €
FI Typ A-EV (mit integrierter DC-Erkennung) Typ A plus 6mA-DC-Überwachung in einem ab ca. 250 €
FI Typ A (Standard, allein nicht ausreichend) AC und pulsierend, kein glatter DC ab ca. 30 €

Preise laut Marktbeobachtung von ladefragen.de, Stand: 2021. Als Richtwert zu verstehen, nicht als tagesaktueller Preis, ohne Montage.

Ein häufiger Denkfehler noch am Rande: Der DC-Schutz hängt nicht an der Ladeleistung. Ob 11kW oder 22kW, die 6mA-Regel gilt gleichermaßen. Ein höher gesteckter Anschluss macht den Schutz nicht strenger. Falls du bei der Leistungsfrage noch schwankst, haben wir das an anderer Stelle sortiert: 11kW oder 22kW im Vergleich.

4

Wallboxen mit eingebauter DC-Fehlerstromerkennung

Und jetzt der Grund, warum sich der teure Typ-B-FI-Schalter bei den meisten aktuellen Wallboxen erübrigt. Bringt eine Wallbox die DC-Fehlerstromerkennung bereits ab Werk mit, genügt im Verteilerkasten ein einfacher Typ A. Deshalb wirbt praktisch jede aktuelle Wallbox mit dieser Funktion.

Ein Beispiel ist der go-e Charger Gemini Flex 11 kW, der laut Herstellerangabe ein FI-Schutzmodul mit Gleichstromerkennung mitbringt. go-e läuft bei uns über Energielösung, ein eigenes go-e-Partnerprogramm gibt es schlicht nicht.

Ähnlich beim HEIDELBERG Wallbox 11 kW Energy Control Plus, der laut Datenblatt eine integrierte Fehlerstromerkennung DC 6mA gemäß IEC 62955 anführt. In beiden Fällen erfüllt die eingebaute Erkennung genau den zweiten, normkonformen Weg. Wer noch unschlüssig ist, findet weitere Modelle mit eingebauter DC-Erkennung in unserem Wallbox-Testsieger 2026.

Ein Datenblatt-Häkchen allein reicht aber nicht als Nachweis. Warum, steht im nächsten Abschnitt.

go-e Charger Gemini Flex 11 kW

go-e Charger Gemini Flex 11 kW

4.7 139 Bewertungen

Amazon ansehen

Partnerlink. Kauf über diesen Link bringt uns eine Provision, der Preis bleibt für dich gleich.

HEIDELBERG Wallbox 11 kW Energy Control Plus

HEIDELBERG Wallbox 11 kW Energy Control Plus

4.8 51 Bewertungen

Amazon ansehen

Partnerlink. Kauf über diesen Link bringt uns eine Provision, der Preis bleibt für dich gleich.

5

Was die Elektrofachkraft prüft und installiert

Die Wallbox anschließen darf ohnehin nur eine Elektrofachkraft. Und die verlässt sich nicht blind auf einen Werbesatz.

Ein Hersteller-Experte weist in einer Antwort auf elektro.net darauf hin, dass eine intern verbaute DC-Fehlerstromerkennung die extern geforderte Schutzeinrichtung nur dann ersetzt, wenn Auslöseschwelle und Auslösezeit vom Hersteller ausdrücklich normgerecht bestätigt sind. Ein pauschales "hat DC-Schutz" im Prospekt genügt eben nicht.

Worauf es beim Anschluss praktisch hinausläuft:

  • Herstellernachweis prüfen: erfüllt die integrierte Erkennung die 6mA-Schwelle und die Abschaltzeit nachweislich?

  • Schutzkonzept festlegen, entweder separater Typ B oder Typ A plus bestätigte integrierte Erkennung

  • Ein eigener FI pro Ladepunkt, wegen der Selektivität

  • Netzbetreiber-Anmeldung nicht vergessen: jede Wallbox anmelden, ab 12kW zusätzlich genehmigen lassen

Was das insgesamt kostet, Hardware plus Montage plus Anmeldung, haben wir an anderer Stelle vorgerechnet, was eine Wallbox mit Montage kostet. Der reine Schutzschalter ist dabei ein kleiner Posten, die richtige Wahl spart aber trotzdem ein paar Hundert Euro.

6

Was das für deine Wallbox-Wahl heißt

Der FI-Schalter ist kein Grund zur Panik, sondern ein Grund, beim Kauf einmal genauer hinzuschauen, am besten direkt in unserem Wallbox-Vergleich 2026. Eine Wallbox mit bestätigter, integrierter DC-Fehlerstromerkennung erspart dir den separaten Typ B. Lass dir die Normkonformität von deinem Installateur bestätigen, dann bist du auf der sicheren Seite und hast nicht zu viel bezahlt.

Und egal, für welche Wallbox es am Ende wird: Die THG-Quote holst du dir unabhängig davon. Wie das geht und was drin ist, steht in unserem THG-Quote-Vergleich.


Alle Produkte aus diesem Beitrag

Im Text erwähnte Produkte sind markiert; die übrigen sind Alternativen aus derselben Kategorie.

Im Text erwähnt go-e Charger Gemini Flex 11 kW

go-e Charger Gemini Flex 11 kW

4.7 139 Bewertungen

Amazon ansehen
Im Text erwähnt HEIDELBERG Wallbox 11 kW Energy Control Plus

HEIDELBERG Wallbox 11 kW Energy Control Plus

4.8 51 Bewertungen

Amazon ansehen

Affiliate-Hinweis: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Produktpreise und Verfügbarkeit können sich ändern.

7

Häufig gestellte Fragen

Ist ein FI-Schalter für die Wallbox Pflicht?

Ja, aber nicht zwingend als Typ B. Die DIN VDE 0100-722 lässt laut DKE zwei gleichwertige Wege zu: einen FI Typ B, oder einen FI Typ A beziehungsweise Typ F plus eine DC-Fehlerstromerkennung nach IEC 62955, die ab 6mA abschaltet. Bringt die Wallbox diese Erkennung mit, genügt ein einfacher Typ A im Verteiler. "Typ B ist Pflicht" greift also zu kurz, die Norm lässt beide Wege zu.

Was macht die 6mA-DC-Fehlerstromerkennung?

Sie überwacht glatte Gleichfehlerströme, die ein Elektroauto erzeugen kann. Ab 6mA schaltet sie ab. Das ist nötig, weil ein glatter Gleichanteil einen normalen FI Typ A "erblinden" lässt, er würde einen echten Wechselfehlerstrom dann nicht mehr sicher erkennen.

Reicht die integrierte DC-Erkennung meiner Wallbox als Nachweis?

Nur, wenn der Hersteller ausdrücklich bestätigt, dass Auslöseschwelle und Abschaltzeit normgerecht sind. Ein Werbesatz "mit DC-Schutz" allein genügt nicht. Deine Elektrofachkraft prüft das und wählt danach das passende Schutzkonzept.

Ändert sich der FI-Schutz bei 11kW oder 22kW?

Nein. Die Anforderung an die DC-Fehlerstromerkennung hängt nicht an der Ladeleistung. 11kW und 22kW brauchen denselben 6mA-Schutz. Unterschiede gibt es bei der Netzbetreiber-Anmeldung, ab 12kW kommt eine Genehmigungspflicht dazu, nicht beim Fehlerstromschutz.

Was kostet ein FI Typ B im Vergleich zu Typ A?

Als grober Richtwert nach einer Marktbeobachtung von ladefragen.de (Stand 2021): ein FI Typ B liegt bei etwa 250 bis 500 €, ein Standard-Typ-A bei rund 30 €. Eine Wallbox mit eingebauter DC-Erkennung macht den teuren Typ B meist überflüssig. Die Zahlen sind ein Richtwert, für den aktuellen Preis lohnt sich trotzdem ein Blick beim Händler.

Quellen

  1. ladefragen.de ladefragen.de
  2. elektronik-zeit.de in seinem Wallbox-Whitepaper elektronik-zeit.de
  3. FAQ-Liste des DKE dke.de
  4. Elektropraktiker elektropraktiker.de
  5. Antwort auf elektro.net elektro.net

Ähnliche Beiträge