Ladedauer berechnen: Wie lange dein E-Auto an der Wallbox wirklich lädt
Die Ladedauer berechnen klingt nach einer Sache für den Taschenrechner, und im Kern ist es das auch: Akkukapazität geteilt durch Ladeleistung, fertig. Nur stimmt die Zahl, die dabei rauskommt, in der Praxis fast nie. Denn nicht deine Wallbox bestimmt, wie lange dein E-Auto lädt, sondern meistens dein Auto selbst.
Das ist der Punkt, den die meisten Rechner unter den Tisch fallen lassen. Und genau deshalb wundern sich so viele Leute, warum ihr Wagen an der 22-kW-Wallbox keine Sekunde schneller voll ist.
Stand der genannten Zahlen: 20.08.2026.
Ladedauer berechnen: die Formel aus Akkukapazität und Ladeleistung
Die einfache Version zuerst: Sie taugt als grober Richtwert, um die Ladedauer berechnen zu können.
Ladedauer (h) = Batteriekapazität (kWh) ÷ Ladeleistung (kW)
Ein 58-kWh-Akku an einer 11-kW-Wallbox? 58 ÷ 11 ≈ 5,3 Stunden. Ein 77-kWh-Akku an derselben Wallbox? Knapp 7 Stunden. So weit, so übersichtlich.
Wichtig ist nur das Wort Ladeleistung. Damit ist nicht gemeint, was auf deiner Wallbox steht, sondern was am Ende tatsächlich ins Auto fließt. Und das ist immer der niedrigere der beiden Werte: die Leistung der Wallbox oder die maximale AC-Ladeleistung deines Bordladers. Der Ladezeit-Rechner von elektronik-zeit.de (Stand: 21.06.2026) nennt genau dieses Prinzip: entscheidend ist der kleinere Wert, nicht der größere.
Woher kommen überhaupt die krummen Zahlen 11 kW und 22 kW? Aus der Steckdose, genauer aus dem Drehstrom. The Mobility House rechnet den technischen Hintergrund vor:
1-phasig: 1 × 230 V × 16 A ≈ 3,7 kW (das ist die Liga der Haushaltssteckdose)
3-phasig mit 16 A: 3 × 230 V × 16 A ≈ 11 kW
3-phasig mit 32 A: 3 × 230 V × 32 A ≈ 22 kW
Deshalb sind 11 kW und 22 kW die zwei Standardklassen für Wallboxen in Deutschland. Sie sind keine Marketing-Zahlen, sondern fallen direkt aus der Elektrik heraus.
Ladedauer an der 11-kW-Wallbox: die Klasse für fast alle
Die 11-kW-Wallbox ist die Klasse, mit der die überwältigende Mehrheit der E-Autos lädt. Kein Zufall: Genau darauf sind die meisten Bordlader ausgelegt.
Ein konkretes Beispiel, gut belegt. Ein VW ID.3 Pro S mit 77-kWh-Akku braucht laut praxis-elektroauto.de an einer 11-kW-Wallbox rund 7 Stunden und 48 Minuten für eine volle Ladung. Der kleinere Pro mit 58-kWh-Akku ist nach etwa 5 Stunden und 53 Minuten fertig. Über Nacht ist beides locker drin, ohne dass du irgendwas mitbekommst.
Was heißt das für den Alltag? Wenn dein Auto abends um sieben an der Wallbox hängt und morgens um sechs wieder losfährt, hast du elf Stunden Ladefenster. In der Zeit lädst du mit 11 kW jeden gängigen Akku randvoll, egal wie leer er ankam.
Für diese Klasse reicht solide Hardware ohne Aufpreis-Firlefanz. Ein Gerät wie die HEIDELBERG Wallbox 11 kW Energy Control Plus deckt genau diesen Fall ab: fest verbautes Kabel, 11 kW, läuft an einem normalen Drei-Phasen-Anschluss ohne aufwändige Genehmigung.
Ein Detail noch, das gern übersehen wird: Manche Einstiegsvarianten laden nur einphasig. Der ID.3 in der Basis-Ausstattung ist laut praxis-elektroauto.de auf 7,2 kW einphasig begrenzt. Dann dauert dieselbe Ladung deutlich länger, obwohl die Wallbox mehr könnte. Der Blick ins Datenblatt deines Modells lohnt sich also, bevor du irgendeine Ladezeit annimmst.
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Ladedauer an der 22-kW-Wallbox: der Mythos vom doppelten Tempo
Jetzt zum Denkfehler, der wahrscheinlich das meiste Geld kostet.
„22 kW lädt doppelt so schnell wie 11 kW.“ Klingt logisch. Ist aber für die meisten Autos schlicht falsch. Wie der Wallbox-Ratgeber von FirstEV es formuliert: Eine 22-kW-Wallbox bringt nur dann die doppelte Ladegeschwindigkeit, wenn das Elektroauto selbst 22 kW AC-Ladeleistung unterstützt. Und die meisten aktuellen Elektroautos haben serienmäßig nur einen 11-kW-Bordlader.
Nimm den Tesla Model 3 mit 75-kWh-Akku. Laut The Mobility House lädt er mit rund 75 ÷ 11 ≈ 7 Stunden an der Wallbox. Stellst du eine 22-kW-Wallbox davor, ändert sich daran genau nichts, weil der Bordlader bei 11 kW dichtmacht. Die Wallbox kann liefern, was sie will. Mehr, als der Bordlader verträgt, geht nicht ins Auto.
Echte 22-kW-AC-Lader sind selten. Laut der Modellübersicht von praxis-elektroauto.de gehören dazu vor allem Nischen- und Premiummodelle wie der Renault Zoe, der BMW i7 oder der Lucid Air. Die meistverkauften E-Autos in Deutschland laden alle mit höchstens 11 kW.
Wann lohnt sich 22 kW dann überhaupt? Wenn dein Auto es wirklich kann, wenn du regelmäßig in kurzen Zeitfenstern nachladen musst, oder wenn mehrere Fahrzeuge an einem Anschluss hängen. Für diese Fälle gibt es passende Hardware wie den Tesla Wall Connector (Gen 3, Universal), der bis 22 kW liefert.
Denk aber daran: Eine 22-kW-Wallbox braucht in Deutschland die Genehmigung deines Netzbetreibers, nicht nur die Anmeldung. Das ist ein echter Unterschied zur 11-kW-Klasse, die nur angemeldet werden muss. Welche Leistung du wirklich brauchst, gehen wir in unserem Vergleich 11 kW oder 22 kW im Detail durch.
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Vergleichstabelle: Ladedauer nach Ladestufe
Hier die ganze Bandbreite in einer Tabelle, für einen 60-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent, nach den Werten des Ladezeit-Rechners von elektronik-zeit.de (Stand: 21.06.2026):
| Ladeart | Ladeleistung | Ladedauer (10 auf 80 %) |
|---|---|---|
| Haushaltssteckdose (Schuko) | 2,3 kW | ca. 18 Stunden |
| Wallbox 11 kW | 11 kW | ca. 3,5 Stunden |
| Wallbox 22 kW (nur wenn das Auto es kann) | 22 kW | ca. 1,8 Stunden |
| DC-Schnelllader | 50 bis 150 kW | ca. 25 bis 50 Minuten |
Die Tabelle zeigt zwei Dinge auf einen Blick. Der Sprung von der Steckdose zur Wallbox ist gewaltig. Und der Sprung von 11 auf 22 kW ist nur dann echt, wenn dein Auto mitspielt.
Warum die reale Ladedauer von der Formel abweicht
Und jetzt der Teil, den fast kein Rechner erklärt. Selbst wenn du die richtige Ladeleistung einsetzt, stimmt die Formel nicht auf die Minute. Woran das liegt, siehst du gleich.
Der Bordlader ist der eigentliche Flaschenhals
Der wichtigste Faktor steckt im Auto selbst: im Onboard-Lader des Fahrzeugs (Stand: 20.02.2025). Er wandelt den Wechselstrom aus dem Netz in Gleichstrom für die Batterie um, mit einem Wirkungsgrad von rund 92 bis 95 Prozent. Und er begrenzt die Ladeleistung, ganz unabhängig davon, was die Wallbox theoretisch liefern könnte.
Warum bauen die Hersteller nicht einfach überall 22-kW-Lader ein? Weil ein 22-kW-Bordlader mehr Bauraum braucht, ungefähr doppelt so schwer ist und aktiv wassergekühlt werden muss. Über ein nächtliches Ladefenster von sieben Stunden reicht 11 kW ohnehin für jede aktuelle Akkugröße. Der Aufpreis brächte im Alltag also nichts.
Die Ladekurve bremst zum Ende hin
Dazu kommt die Ladekurve. Wie EnBW erklärt (Stand: 21.08.2025), sinkt die Ladeleistung, besonders beim Schnellladen, ab etwa 80 Prozent Akkustand deutlich, um die Batterie zu schonen.
Für dich an der heimischen Wallbox ist das aber gute Nachricht: Bei 11 oder 22 kW ist die Ladekurve vergleichsweise flach. Der starke Leistungsabfall trifft vor allem das DC-Schnellladen mit 50 bis 400 kW. An der Wallbox merkst du davon wenig, weshalb die letzten Prozent zwar etwas länger dauern, aber nicht dramatisch.
Ladeverluste kosten echten Strom
Und dann ist da noch etwas, das du nicht siehst, das aber trotzdem auf deiner Stromrechnung steht. Ein Teil des Stroms kommt nie in der Batterie an, sondern geht bei der Umwandlung verloren.
Laut einer ADAC-Untersuchung vom 6. August 2026 gehen an einer 11-kW-Wallbox nur 5,1 bis 7,0 Prozent des Stroms als Ladeverlust verloren, an einer 22-kW-Wallbox rund 6,7 Prozent. An einer normalen Haushaltssteckdose sind es dagegen bis zu 24,2 Prozent. Das ist der eigentliche, oft übersehene Grund, warum du für dein E-Auto eine Wallbox willst und nicht die Steckdose in der Garage: Sie lädt nicht nur schneller, sondern verschwendet auch weniger Strom.
Unterm Strich verschieben Bordlader-Grenze, Ladekurve und Verluste die reale Dauer um bis zu 15 Prozent gegenüber der reinen Formel, wie elektronik-zeit.de für Temperatur, Batteriezustand und Vorkonditionierung angibt. Wenn du deine Ladedauer berechnen willst, rechne also lieber einen kleinen Puffer ein, statt dich auf die glatte Zahl zu verlassen.
So rechnest du deine eigene Ladedauer aus
Genug Theorie. So bekommst du deine persönliche Zahl in vier Schritten.
- Akkukapazität nachschlagen. Steht im Datenblatt oder in den Fahrzeugdaten deines Modells, in kWh. Beispiel: 60 kWh.
- AC-Ladeleistung deines Autos herausfinden. Nicht die der Wallbox, die deines Bordladers. Meistens 11 kW, bei Basisvarianten manchmal 7,2 oder 3,7 kW einphasig. Der niedrigere Wert aus Auto und Wallbox zählt.
- Teilen. 60 kWh ÷ 11 kW ≈ 5,5 Stunden für eine volle Ladung von leer.
- Puffer und Verluste dazurechnen. Plus grob 5 bis 7 Prozent für die Ladeverluste an der 11-kW-Wallbox und bis zu 15 Prozent für Temperatur und Ladekurve. Aus 5,5 Stunden werden so realistisch eher 6 bis 6,5 Stunden.
Und ehrlich gesagt: In den seltensten Fällen lädst du von null auf hundert. Die meiste Zeit hängst du bei 30 oder 40 Prozent an der Wallbox und willst auf 80 oder 90. Rechne also mit der Differenz, die du wirklich nachlädst, nicht mit der vollen Akkugröße. Dann liegst du viel näher an dem, was tatsächlich passiert.
Praktisch hilft es, ein passendes Ladekabel griffbereit zu haben, gerade wenn du unterwegs auch mal an einer öffentlichen Typ-2-Säule laden willst. Ein Modell wie das bokman Typ 2 Ladekabel mit CEE-Stecker, 11 kW, 5 m deckt mit 11 kW den Standardfall ab.
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Zur Einordnung: DC-Schnellladen im Vergleich
Damit die Wallbox-Zahlen einen Maßstab bekommen, ein kurzer Blick auf die andere Welt.
An einem DC-Schnelllader lädt derselbe 60-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent in etwa 25 bis 50 Minuten, wieder nach elektronik-zeit.de. Das ist die Größenordnung für die Autobahn-Raststätte auf der langen Fahrt, nicht fürs Zuhause.
Der Unterschied ist grundsätzlich: DC-Schnellladen schiebt den Gleichstrom direkt in die Batterie und umgeht den Bordlader komplett. Deshalb sind dort 150 kW und mehr möglich, während die AC-Wallbox daheim bei 11 oder 22 kW endet. Für den Alltag ist das aber kein Nachteil, weil das lange nächtliche Ladefenster die niedrigere Leistung mühelos ausgleicht.
Was das für deine Wallbox-Wahl bedeutet
Am Ende ist die Ladedauer vor allem eine Kaufentscheidung.
Für die allermeisten Haushalte reicht 11 kW vollkommen. Dein Auto kann sowieso selten mehr, das Ladefenster über Nacht ist lang genug, und du sparst dir die Netzbetreiber-Genehmigung, die eine 22-kW-Wallbox verlangt. 22 kW ist die richtige Wahl nur, wenn dein Fahrzeug die Leistung wirklich abrufen kann und du sie im Alltag brauchst. Welche Modelle das können und wie sich die beiden Klassen sonst unterscheiden, steht in unserer Vergleichstabelle nach Leistungsklasse.
Und eine Sache gilt unabhängig davon, für welche Wallbox du dich entscheidest: die THG-Quote. Als Halter eines E-Autos bekommst du dafür jedes Jahr Geld, ganz ohne Hardware-Kauf, einfach fürs Zulassen deines Fahrzeugs. Das ist die eine Aktion, die sich für jeden E-Auto-Besitzer lohnt, egal welche Wallbox in der Garage hängt. Wie du dir die THG-Quote sicherst und welcher Anbieter aktuell am meisten zahlt, haben wir separat aufgeschrieben.
Fazit
Die Ladedauer berechnen ist einfach, solange du die richtige Zahl einsetzt: das, was dein Bordlader wirklich schluckt, meistens 11 kW, nicht die Wallbox-Leistung. Rechne die Verluste und die Ladekurve als kleinen Puffer dazu, und du weißt ziemlich genau, wie lange dein Auto hängt. Die meisten stellen die falsche Frage. Sie schauen auf die Wallbox, dabei entscheidet der Bordlader.
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Häufig gestellte Fragen
Wie lange lädt ein E-Auto mit 11 kW?
Nach der Faustformel Akkukapazität geteilt durch Ladeleistung braucht ein 60-kWh-Akku an einer 11-kW-Wallbox rund 5,5 Stunden für eine volle Ladung von leer. Ein VW ID.3 Pro S mit 77-kWh-Akku ist laut praxis-elektroauto.de nach etwa 7 Stunden und 48 Minuten voll. Über Nacht reicht 11 kW für jede gängige Akkugröße locker aus.
Wie lange lädt ein E-Auto mit 22 kW?
Rein rechnerisch halb so lange wie mit 11 kW, ein 60-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent also in etwa 1,8 statt 3,5 Stunden. Das gilt aber nur, wenn dein Auto überhaupt 22 kW AC laden kann. Die meisten Modelle sind auf 11 kW begrenzt, dann bringt die 22-kW-Wallbox keinen Zeitvorteil.
Warum lädt mein Auto nicht mit 22 kW an der Wallbox?
Weil der Bordlader im Auto die Ladeleistung begrenzt, nicht die Wallbox. Die meisten E-Autos in Deutschland haben serienmäßig nur einen 11-kW-Bordlader. Egal wie stark die Wallbox ist, mehr als der Bordlader verträgt, geht nicht ins Auto. Echte 22-kW-Lader sind vor allem bei Nischen- und Premiummodellen zu finden.
Wie viel Strom geht beim Laden verloren?
An einer 11-kW-Wallbox gehen laut ADAC-Untersuchung vom 6. August 2026 nur 5,1 bis 7,0 Prozent als Ladeverlust verloren, an einer 22-kW-Wallbox rund 6,7 Prozent. An einer normalen Haushaltssteckdose sind es dagegen bis zu 24,2 Prozent. Genau deshalb lohnt sich eine Wallbox nicht nur wegen des Tempos, sondern auch wegen des geringeren Stromverlusts.
Wie berechne ich die Ladezeit meines E-Autos selbst?
Deine Ladedauer berechnen kannst du in vier Schritten: Teile die Akkukapazität in kWh durch die kleinere Ladeleistung aus Auto und Wallbox, meistens 11 kW. Rechne dann grob 5 bis 7 Prozent Ladeverluste und bis zu 15 Prozent für Temperatur und Ladekurve als Puffer dazu. Praktisch lädst du selten von null auf hundert, rechne also mit der Differenz, die du wirklich nachlädst.
Quellen
- Ladezeit-Rechner von elektronik-zeit.de elektronik-zeit.de
- The Mobility House mobilityhouse.com
- praxis-elektroauto.de praxis-elektroauto.de
- Wallbox-Ratgeber von FirstEV firstev.de
- Modellübersicht von praxis-elektroauto.de praxis-elektroauto.de
- Onboard-Lader des Fahrzeugs ska-elektrotechnik.de
- EnBW erklärt enbw.com
- ADAC-Untersuchung adac.de